Die wichtigsten Macharten bei Wanderschuhen

Die Machart bezeichnet bei Schuhen die Art und Weise, wie die Sohle mit dem Schuhschaft verbunden wird. Klassische Wander- und Bergschuhe werden zwie- oder trigenäht, aber bei modernen Wanderschuhen kommen auch andere Techniken zum Einsatz. Die Machart wirkt sich nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Haltbarkeit und die Reparaturmöglichkeiten aus. Auch die Stabilität der Passform wird durch die Machart beeinflusst.

Die Hersteller geben sich z.T. große Mühe, die Fakten unter besonders gut klingenden Worthülsen zu verdecken. Bei den großen Marken ist das zwar kaum der Fall, aber auch diese Hersteller verwenden häufig Begriffe, die erklärungsbedürftig sind. Ein paar dieser Begriffe erläutern wir im Folgenden:

Originalmachart oder originale Machart

Klingt großartig, denn schließlich möchte jeder ein Original und keine Kopie haben, oder? Aber letztlich besagt der Begriff nur, dass der Hersteller die Machart in der originalen bzw. traditionellen Weise einsetzt, d.h. Werkzeuge und Materialien werden in der ursprünglichen Form verwendet. Der Begriff wird nicht immer ganz präzise verwendet, denn viele alte Macharten wurden früher in reiner Handarbeit hergestellt, während heute auch die traditionellen Schuhmacher in der Regel mit Maschinen arbeiten, um bestimmte Arbeitsschritte schneller erledigen zu können.

Kombi-Machart oder kombinierte Machart

Wenn mindestens zwei Macharten bei einem Schuh eingesetzt werden, wird von einer kombinierten Machart gesprochen.

Angepasste oder variierte Machart

Die meisten Hersteller, die heute traditionelle Macharten einsetzen, verwenden dazu moderne Maschinen und z.T. auch andere Materialien als bei der originalen Machart. Wenn die grundlegende Technologie aber beibehalten wird, spricht man von einer angepassten oder variierten Machart.

Lizenzgebühren sorgen für kreative Begriffsschöpfungen

Wenn eine Machart patentrechtlich geschützt ist, fallen in der Regel Gebühren an, wenn ein Hersteller diese Machart verwenden möchte. Mit kleinen Abwandlungen und neuen Begriffen wird dies verhindert. Nicht zuletzt soll eine „eigene“ Machart dem Kunden demonstrieren, dass es sich um ein innovatives Unternehmen handelt. Das führt in der Praxis dazu, dass es viele verschiedene Bezeichnungen für Macharten gibt, die sich oftmals nur in Details unterscheiden.  Es kann deswegen durchaus sein, dass Sie bei einem Hersteller eine Machart-Bezeichnung finden, die bei uns nicht beschrieben wird. Da es unmöglich ist, alle Hersteller-Bezeichnungen für variierte Macharten aufzulisten und zu erläutern, beschränken wir uns auf die wichtigsten Macharten, die bei Wanderschuhen zum Einsatz kommen.

Bei den Originalmacharten hat sich die Unterscheidung zwischen genähter Machart, direkt angesohlter Machart,  AGO-Machart und anderen Macharten etabliert. Ein paar dieser Macharten möchten wir im Folgenden etwas näher vorstellen:

Zwiegenähte Machart

Bei der zwiegenähten Machart wird der Rahmen seitlich an die Brandsohle genäht. Das hat den „Nachteil“, dass die Naht von außen sichtbar ist. Allerdings ist diese Technik sehr robust und deswegen Standard bei klassischen Berg- und Wanderschuhen. Da zwei parallel verlaufende Nähte gesetzt werden, wird die Machart zwiegenäht (zwie = zwei) genannt. Manchmal wird auch „echt zwiegenäht“ geschrieben, da es Hersteller gibt, die eine varrierte Machart verwenden, die auf der zwiegenähten Machart basiert, aber nicht im eigentlichen Sinne zwiegenäht ist.

Tipp: Bei echt zwiegenähten Schuhen ist am Sohlenrand das Oberleder sichtbar, während der Sohlenrand bei „falsch“ zwiegenähten Modellen nicht zu erkennen ist.

Trigenähte Machart

Zusätzlich zu den zwei Nähten bei der zwiegenähten Machart kommt bei der trigenähten Machart noch eine Naht hinzu. Ansonsten wird die gleiche Technik eingesetzt. Die trigenähte Machart wird nur bei sehr schweren Bergschuhen eingesetzt, da bereits die zwiegenähte Machart enorm robust ist.

Rahmengenähte Machart

Die rahmengenähte Machart ist der Standard bei Alltagsschuhen aus Leder. Brandsohle und Schaft werden mit einer unsichtbaren Naht (von unten) vernäht, so dass ein sehr elegantes Erscheinungsbild entsteht. Allenfalls bei sehr leichten Wanderschuhen kommt die rahmengenähte Machart zum Einsatz.

Veldtschoen-Machart

Die klassischen englischen Berg- und Countryschuhe werden in der Veldtschoen-Machart hergestellt. Bei der Veldtschoen-Machart wird das Oberleder erst im letzten Schritt mit der Zwischensohle und der Brandsohle verbunden. Im Grundsatz ist die Veldtschoen-Machart eine rahmengenähte Machart. Allerdings sind mit dieser Machart hergestellte Schuhe wesentlich robuster als Schuhe, die mit der klassischen rahmengenähten Machart hergestellt werden.

Gezwickte Machart

Die gezwickte Machart ist eine traditionelle Machart, die als gleichwertige Alternative zur zwiegenähten Machart gilt. Bei der herkömmlichen Methode wird die Brandsohle mit dem Schaft durch Nägel miteinander verbunden. Bei der modernen Methode findet eine Verklebung statt. Deswegen wird auch von klebegezwickter Machart gesprochen. Ein bekannter Wanderschuh-Hersteller, der bei vielen Modellen die klebegezwickte Machart verwendet, ist Hanwag.

Gestrobelte Machart

Beim Strobeln wird der Schaft mit einer umlaufenden Naht innen mit der Brandsohle verbunden. Anschließend wird die Sohle entweder geklebt oder angespritzt. Die gestrobelte Machart ist nur für sehr leichte Wanderschuhe geeignet, da die Formstabilität mäßig ist. Bei Laufschuhen wird die gestrobelte Machart gelegentlich verwendet.

AGO  (Another Great Opportunity)

Bei der AGO-Machart wird das Leder geklebt. Die AGO-Machart wurde im Jahr 1911 von dem Italiener Francesco Rampichini entwickelt und war damals die erste geklebte Machart.

Holzgenagelte Machart

Wurde früher bei Militärstiefeln verwendet, ist aber z.T. auch bei alten Wanderschuhen noch zu finden. Die holzgenagelte Machart wird heute nicht mehr verwendet.

Geschraubte Machart

Robuste Machart, die aber bei Wanderschuhen nie eine große Rolle gespielt hat, sondern eher bei Arbeitsschuhen zum Einsatz kam. Wird heute nicht mehr benutzt.

Anvulkanisierte Machart

Die anvulkanisierte Machart funktioniert nur mit thermoplastischen Kunststoffen und wird bei vielen Sportschuhen und leichten Wanderschuhen verwendet. Die Sohle wird durch die Anvulkanisierung untrennbar mit der Sohle verbunden, so dass bei abgelaufener Sohle der gesamte Schuh ausgetauscht werden muss.

Angespritzte Machart

Die angespritzte Machart ist eine Konstruktion, die sehr gut für die Massenproduktion von Schuhen geeignet ist. Für jedes Schuhmodell wird eine Gussform für den Oberschuh angefertigt, in welcher der Oberschuh mit der Sohle maschinell verbunden wird.

Die Schuhsohle – Wichtiges Qualitätskriterium

Das tollste Obermaterial hilft nicht viel, wenn die Sohle eine mindere Qualität hat. Die meisten Wanderschuh-Sohlen werden aus Gummi hergestellt. Der Marktführer in diesem Segment ist die italienische Firma Vibram. Alle großen Hersteller verwenden Vibram-Sohlen, aber wenn ein Wanderschuh keine Vibram-Sohle hat, muss das nicht unbedingt bedeuten, dass die Qualität nicht gut ist. Vibram hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten einen sehr guten Ruf erarbeitet.

Die Sohle muss zum Gelände passen, so dass alleine der Begriff „Vibram-Sohle“ noch nicht als Qualitätskriterium ausreicht. Die Hersteller geben meist relativ präzise an, für welchen Zweck die Schuhe (und damit auch die Sohlen) geeignet sind. Bei Neu-Besohlungen ist es in der Regel kein Problem, bei einem Schuster eine neue Vibram-Sohle, die zum Schuh passt, zu bestellen.